Ziele des Projekts

DruckversionEinem Freund sendenPDF-Version

Eines der größten Risiken für ältere Menschen, die allein leben oder viel Zeit allein verbringen, ist es zu stürzen und in dieser Situation keine Hilfe anfordern zu können, besonders bei Verlust des Bewußtseins. Die besondere Herausforderung für ein ICT-basiertes Monitoring-System ist die Balance zwischen Überwachung und Privatsphäre, zwischen häuslicher Sicherheit und Ethik. Da jeder Mensch ein Recht auf seine Privatsphäre besitzt, muss jedes Gerät, jedes System zur Erkennung von kritischen Situationen im häuslichen Umfeld von älteren Menschen dieses Recht respektieren und gewährleisten. Notfälle können zu Hause prinzipell überall und zu jeder Zeit auftreten. Tragbare Geräte, die derzeit zur Überwachung von älteren Menschen verwendet werden, sind in solchen Situationen oft unzureichend und von geringem Nutzen für die Erkennung von potenziellen Notsituationen. Für diesen Zwecks scheint eine „intelligente Umgebung“ durch optische Überwachung besser geeignet zu sein.

Das Ziel des CARE-Projektes ist die Entwicklung einer optischen Technologie, die kostengünstig ist und die Privatsphäre schützt und dennoch die Stärken der visuellen Erkennung ausnutzt. Dies wird durch eine (biologisch inspirierte) Stereo-Sensor-Technologie, die nur Bewegungen erkennt, aber eine deutlich höhere zeitliche Auflösung als herkömmliche Bewegungssensoren besitzt, erreicht. Diese Technologie wird zur Überwachung, Analyse und Auswertung des Verhaltens von älteren Menschen in ihrer häuslichen Umgebung und zur automatischen Alarmierung im Falle einer kritischen Situation (z.B. eine Person stürzt oder kann sich für längere Zeit nicht bewegen) verwendet. Diese Sensor-Technologie wird in ein Monitoring-System mit Kommunikations-Schnittstelle und Bedienstation integriert und kann sowohl in privaten Umgebungen als auch in Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens eingesetzt werden. Zur Prüfung und Evaluierung des Systems werden zwei Pilot-Systeme in Pflegeeinrichtungen installiert.

Mit zunehmender Überalterung der Bevölkerung wird es immer schwieriger, das erforderliche Pflegepersonal zu rekrutieren, da die Sozialsysteme mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.Die Akzeptanz und die Marktchancen eines kompakten, effizienten, zuverlässigen und einfach zu installierenden Monitoring-Systems, das keinen Anlass zu Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre gibt, wird in den Folgejahren stetig zunehmen. Sowohl die ganze Gesellschaft als auch die älteren Menschen profitieren von einem Sicherheits-Monitoring-System, da sie so länger unabhängig in ihrer privaten Umgebung leben können.

Die alternde Gesellschaft ist für alle Industrieländer ein Problem. Weltweit werden Lösungen für effektivere Pflegedienstleistungen und höhere Sicherheit für ältere Menschen gesucht. Deshalb hat die Lösung, die im Rahmen des CARE-Projekts erprobt wird, eine gute Chance, in vielen Ländern wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Da das System in Europa entwickelt und produziert wird, hat es einen starken europäischen Mehrwert und kann erfolgreich in fast allen industrialisierten Ländern vermarktet werden.

Die Projektaktivitäten können wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Systemanalyse und Evaluierung (Benutzer- und Systemanforderungen, Gefahren und Risiken, RAMSS-Analyse [Analyse von Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Wartung und Sicherheit]),

  2. Sammlung und Analyse der Anforderungen an den Sensor, Design, Entwicklung und Anpassung des Sensors für den Einsatz im Bad und anderen Bereichen (z.B. Resistenz gegenüber Feuchtigkeit und erhöhten Umgebungstemperaturen),

  3. Datenanalyse und -auswertung durch den Einsatz von Mustererkennungsalgorithmen und selbstständiges Lernen des Systems,

  4. Embedded-Processing zur Echtzeit-Interpretation von Daten sowie die dazu gehörige Softwareentwicklung,

  5. Sensorintegration in einem Überwachungs- und Alarmierungssystem des Unternehmens Everon,

  6. Einbau, Analyse und Test des Systems in zwei Pflegeeinrichtungen in Deutschland und Finnland,

  7. Management und Verbreitung des Systems.

Eines der wichtigsten Anliegen ist es, das optische System so kompakt und unauffällig wie möglich für eine sichere und einfache Implementierung in das Wohnumfeld zu gestalten. Das Konzept und die Ergebnisse des Projekts werden an zwei Pilot-Standorten in Finnland und Deutschland ausgewertet. Dies ermöglicht einerseits, die Wirksamkeit des Systems (Sensor, visuelle Interpretation, Kommunikation und Alarmierung) in Bezug auf Genauigkeit und Praktikabilität zu testen, und andererseits eine enge Kommunikation mit den Testpersonen (mit älteren Menschen, den Pflegeheimbetreibern und dem Personal), um ihre Eindrücke und Wünsche zu ermitteln, die zur Weiterentwicklung des ICT-Systems genutzt werden können.